Pflegende Angehörige: Leistungsüberblick

Mehr als zwei Drittel der 2,9 Millionen pflegebedürftigen Menschen in Deutschland werden zu Hause versorgt und davon über die Hälfte durch Angehörige. Pflegenden Angehörigen stehen dabei unterschiedliche Hilfsangebote und Entlastungsmöglichkeiten zur Verfügung, die im Folgenden aufgeführt werden.

Pflegekurse

Die Pflegekasse bietet unentgeltlich Pflegekurse für pflegende Angehörige und Ehrenamtliche an. Die Kurse werden oft in Zusammenarbeit mit Pflegediensten, Volkshochschulen oder Bildungsträgern angeboten. Sie vermitteln Informationen und bieten Beratung und Unterstützung Themen rund um die Pflege. Zusätzlich bieten die Kurse pflegenden Angehörigen und Ehrenamtlichen die Möglichkeit, sich miteinander auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. Bei Bedarf ist eine Schulung auch in der häuslichen Umgebung des Pflegebedürftigen möglich.

Leistungen zur Absicherung der Pflegeperson

Pflegende Angehörige haben Ansprüche auf Leistungen zur sozialen Sicherung, um die Pflege von Angehörigen in der häuslichen Umgebung zu erleichtern. Seit dem 1. Januar 2017 gilt laut dem Bundesministerium für Gesundheit: „Wer eine oder mehrere pflegebedürftige Personen des Pflegegrades 2 bis 5 in ihrer häuslichen Umgebung nicht erwerbsmäßig für wenigstens zehn Stunden wöchentlich, verteilt auf regelmäßig mindestens zwei Tage in der Woche, pflegt, ist im Sinne der Pflegeversicherung eine Pflegeperson.“

Ist die Pflegeperson nicht mehr als 30 Stunden in der Woche erwerbstätig, zahlt die Pflegeversicherung Beiträge zur Rentenversicherung. Die Höhe der Beiträge richtet sich nach dem Pflegegrad sowie den bezogenen Leistungen. Außerdem sind Pflegepersonen während der Pflegetätigkeit und bei allen Tätigkeiten und Wegen, die mit der Pflege zusammenhängen, gesetzlich unfallversichert.

Die Pflegeversicherung zahlt für Angehörige, die aufgrund ihrer Pflegetätigkeit aus dem Beruf aussteigen, die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung für die gesamte Dauer der Pflegetätigkeit.

Kurzzeitige Arbeitsverhinderung

Beschäftigte haben die Möglichkeit, sich bei einer akut auftretenden Pflegesituation eines nahen Angehörigen unbezahlt und ohne Ankündigungsfrist freistellen zu lassen. Sie haben, begrenzt auf 10 Arbeitstage, Anspruch auf ein Pflegeunterstützungsgeld als Lohnersatzleistung. In besonderen Ausnahmefällen ist die wiederholte Inanspruchnahme des Rechts auf kurzzeitige Arbeitsverhinderung nicht ausgeschlossen.

Pflegezeit (bis zu 6 Monate)

Personen, die pflegebedürftige Angehörige in der häuslichen Umgebung versorgen, können sich bis zu 6 Monate vom Arbeitgeber freistellen lassen. Dies kann vollständig oder teilweise und ohne eine Lohnfortzahlung erfolgen. Die Inanspruchnahme der Pflegezeit ist in Betrieben ab 15 Beschäftigten möglich.

In dieser Zeit werden die Arbeitslosenversicherungsbeiträge übernommen und Zuschüsse zur Kranken- und Pflegeversicherung gezahlt. Es besteht Anspruch auf ein zinsloses Darlehen gegenüber dem Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BaFzA).

Familienpflegezeit (bis zu 24 Monate)

Das Familienpflegezeitgesetz unterstützt berufstätige Männer und Frauen. Danach können Berufstätige für bis zu zwei Jahre mit Einverständnis des Arbeitgebers ihre Arbeitszeit auf eine wöchentliche Mindestarbeitszeit von 15 Stunden reduzieren, um einen Angehörigen zu pflegen. Darüberhinaus ist auch eine teilweise Freistellung von bis zu 24 Monaten möglich. Der Anspruch auf Freistellung gilt nicht gegenüber Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern mit 25 oder weniger Beschäftigten.

Der Bruttolohn wird während der Pflegezeit nur halb so stark gekürzt wie die Arbeitszeit. Nach Beendigung der Pflegezeit muss allerdings der Lohnzuschuss wieder ausgeglichen werden. Die Pflegezeit wird in der Rentenversicherung anerkannt. Es besteht ebenfalls Anspruch auf ein zinsloses Darlehen.

Freistellung zur Begleitung in der letzten Lebensphase

Beschäftigte können eine vollständige oder teilweise Freistellung von bis zu drei Monaten in Anspruch nehmen, um einen nahen Angehörigen in der letzten Lebensphase zu begleiten.

Auch in diesem Fall kann ein zinsloses staatliches Darlehen vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) beantragt werden.


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